Alles Gute, Philipp!

Es hat ja schon ‘was sehr erhabenes, wie Philipp Mißfelder und seine Junge Union da vor dem Berliner Büro der Linkspartei stehen. Ein wenig andere Slogans, ein anderes Büro und ein besserer Soundtrack – und man könnte die Aktion fast schon als “piratig” bezeichnen.

Aber eben nur fast. Denn was der Herr MdB des Wahlkreises Recklinghausen I (zu meinem Amusement gehört da auch Castrop Rauxel zu – ich musste gleich an Atze denken) im Vorfeld des vor Pathos nur so triefenden Bildwerkes da so von sich gibt, ist wenig piratig, nicht inhaltlich, nicht in der Verpackung. Dabei wirkt er auf mich selbst fast ein bisschen linkisch und für link halte ich die Union ja schließlich auch. Aber zurück zu seinem Thema: “SED-Nachfolgepartei”, nennt er sie, die Linkspartei, und wirft ihr vor, viele ehemalige SED-Mitglieder in ihren Reihen zu haben. Nicht, dass die Partei damals im Osten allzu klein gewesen wäre, nicht wahr? Eher so ‘ne Randerscheinung, oder? An der Macht aber kaum Mitglieder. Das Parteibuch der SED soll ja in der ehemaligen DDR noch seltener gewesen sein als Bananen, hab’ ich gehört. Nur nicht so heiß umkämpft; und das dürfte das einzig wahre an dem Spruch sein.

Was er meint, ist, dass diejenigen, die an den Sozialismus glauben und auch damals vielleicht daran geglaubt haben, heute eher weniger zur Stammwählerschaft der NPD gehören. Is’ schon nen Cleverle, der Philipp. Und mit dem gleichen Sachverstand führt er weiter aus, die Parteiprogramme der SED und der LINKEN unterschieden sich in einigen Punkten garnicht, dann ist es an “vielen Stellen” linksextrem und hat “linksradikale Strömungen”. Wenn ich mir allein schon die Namensgebung anschaue, dann könnte er damit vielleicht sogar garnicht mal so falsch liegen, der Bundes-Jungen-Philipp. Und das gibt ihm zu denken. Also, nicht, dass er vielleicht Recht hat, sondern die Sache mit den Linken.

Naja, mir ja prinzipiell auch, aber deshalb wähle ich sie ja auch nicht. Und ich würde ihm fast garnicht widersprechen, dem Philipp Mißfelder von der Jungen Union. Dass viele Linke früher mal in der SED waren – zumeist wohl in den Gebieten der “neuen Bundesländer”, so rein statistisch gesehen – mag zutreffen. Dass es bei einer sozialistischen Ausrichtung, über den Grad des Extrems kann und will ich hier nicht diskutieren, eine gewisse inhaltliche Nähe besteht – wen bitte wundert das wirklich? Dass es bei den Linken auch ein paar extrem Linke gibt – Herrgott noch eins, es gibt ja auch freizügige (nicht zu verwechseln mit Obdachlosen, das glaube ich nämlich wiederum nicht) Liberale oder stockkonservative Unionsmitglieder. Wobei es mir immer schwer fällt, Letztere vom “normalen” Schwarzen zu unterscheiden.

Wie dem auch sei, es ist effektvoller Wahlkampf, den er betreibt. Ich würde nicht sagen, dass die Effekte besonders speziell wären oder auszeichnungsreif. Vor allem die Soundeffekte würde ich mit “dürftig” bis “grottig” beschreiben, würde ich auf lediglich politisch korrektes Vokabular beschränkt. Aber eines weiß der junge Mann mit dem akkuraten Seitenscheitel genau: Angst muss der Wähler haben, dann flüchtet er sich ins heimelige Dunkel der Unions-Parolen. Und Angst schürt er, mit der Extremisten-Keule, mit der SED-Keule. Und zum Schluss tut der junge Junge Unions-Politiker, der heute übrigens 30 wird, noch einen mutigen Schlag mit der Keule der “Verfassungsfeinde”, die er “im Umfeld” der LINKEN vermutet.

In dem Moment habe ich mich gefragt: Ist das jetzt substantielle Kritik oder purer Neid? Will er vorschlagen, dass die Verfassungsfeinde statt nur im Umfeld der Partei in den Ämtern der Partei (oder der von ihnen gebildeten Gremien) ihr Unwesen treiben, ganz wie es Schäuble, von der Leyen, zu Guttenberg (und wie sie alle heißen) in der Union es tun? Oder will er sie heim holen ins Reich, in seine Union?

Wie dem auch sei: Heut wird er dreißig, der Philipp, und ist immernoch jung genug, sich auf das Niveau eines Förmchen-werfenden Kleinkindes im heimischen Sandkasten herabzulassen und mit Dreck statt Argumenten nach der LINKEN zu werfen und ihr im Abspann des verlinkten Videos implizit noch gleich 136 gemeine Morde anzuhängen. An dieser Stelle sei angemerkt, dass der gute Junge für seine Union zwar ansich nicht mehr trag- aber noch ganze fünf Jahre haltbar ist. Aber er is ja auch ‘nen richtiger Teenie, so mit Anzug, Krawatte und präzise gekämmten Haar.

In diesem Sinne: Alles Gute, Philipp, und lass dich nicht von den Linken klauen! Die sind sicher viel gefährlicher, als der böse Onkel Wolfgang. Wenn sie denn irgendwann mal an die Macht kommen. Was ich persönlich nun wiederum nicht hoffe.

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