Chinesische Nutzer müssen sich für Forenkommentare ausweisen, titelte Golem vor etwa vier Stunden. Es hat mich weniger überrascht, dass die freie Meinung gegen das Unrechtsregime China weiter eingeschränkt wird, denn vielmehr, dass das Regime so ehrlich darüber spricht: “Die Regierung habe dies damit begründet, dass die Forennutzer so zu mehr “sozialer Verantwortung” und “Höflichkeit” erzogen würden.”, schreibt Golem. Die Lesart dabei ist einfach. Soziale Verantwortung und Höflichkeit – aber gegenüber dem Regime, nicht, wie man es allzu leicht und viel zu gern verstehen würde, gegenüber den anderen Nutzern, dem Autor, oder dem Subjekts des oder der Berichte.
Ich habe ein wenig weitergeklickt und ein paar Kommentare überflogen. Einer griff die Pläne der CDU über einen “Internet-Ausweis” auf und bot direkt noch einen weiteren höchst interessanten Link an: Der Spiegel Netzwelt-Ticker (20.04.09) berichtet von einer Forderung der Jungen Union nach Ausweiskontrollen für youtube-Nutzer. Der Spiegel beruft sich dabei auf die Internetausgabe der Zeitung “Der Westen” (19.04.09), einem Teil der WAZ-Gruppe.
Das, was ich da las, hat mich erschrocken. Fordern die da wirklich, dass Medienportale wie youtube und Co. ihre Nutzer durch die Speicherung von deren Adresse und Ausweisnummern eindeutig identifizieren können?
Sie tun es. Und auch, wenn die Meldung mittlerweile fast ein halbes Jahr alt ist, denke ich nicht, dass sich an dem am 09. Mai gefassten Beschluss (der Westen berichtete), etwas geändert hat. Deutschlands Nummer Eins für Freiheit von Gerechtigkeit bekämpft lieber die Symptome eines (halbwegs richtig erkannten) Problems, anstatt nach der Wurzel zu graben. Man könnte sich ja die Hände schmutzig machen… Dass allerdings die propagierte (End-) Lösung dieser Frage nur weitere Probleme schafft – der Herrgott wird’s scho’ richten, nicht wahr?
*facepalm*