Oder Blockflöte? Cello? Akkordeon? Oder was hat der neueste Amokläufer auf dem musischen Gymnasium in Ansbach für ein Killerspiel gespielt? Ich war ja sehr verwundert, dass ich heute nichts darüber gehört und gelesen habe, dass er Counterstrike am laufenden Bande gespielt haben soll, um sich auf seinen Amoklauf vorzubereiten. Es gab, als ich heute nachmittag las, keine reflexartigen Forderungen nach Computerspieleverbot und Abschaffung des Jugendstrafrechts. Stattdessen:
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Bayern wertet den Brandbombenanschlag als Mahnung. Alle Schulen müssten ihren Umgang mit den Jugendlichen kritisch überprüfen, sagte GEW-Landeschefin Angelika Neubäcker. Alle müssten sich die Frage stellen: “Sorgen wir gut für unsere Kinder und Jugendlichen?” Wahrscheinlich sei es kein Zufall, dass sich die Tat am dritten Schultag des neuen Schuljahres ereignet habe, sagte Neubäcker.
Inzwischen ist der Arikel verändert, der fragliche Teil ist nun hier zu finden. Aber so ganz enttäuschen wollten mich die Medien offenbar doch nicht. Denn der verlinkte Artikel trägt nicht umsonst den Titel “Lehrerverband für mehr Sicherheit an Schulen”. Und in den Tagesthemen, so wurde mir gerade im IRC berichtet, wurde gemeldet, er habe sowohl einen Desktop-PC, als auch einen Laptop besessen. Verzeihung: besitzt. Er lebt ja noch so gerade eben.
Was mir allerdings aufgefallen ist: Wenn eine Polizeistreife (kein SEK) den jungen Mann gestoppt hat – warum bitte hatten die eine Maschinenpistole dabei? Ich dachte Polizeistreifen seien nur mit (halbautomatischen) Pistolen ausgestattet und die automatischen Waffen seien den Mobilen und Sonder-Einsatzkommandos vorbehalten?
Und wenn ich dann an die Vorfälle von letztem Samstag denke, dann wird mir auf einmal ganz mulmig.
Weil’s vor ein paar Sekunden im Fernsehen kam: Das RTL-Nachtjournal berichtet, die Polizei sei der Ansicht sie habe “alles richtig gemacht” und aus Winnenden “die richtigen Schlüsse gezogen.” – Nee, klar. Einen mit einer Axt, Messern und Brandbomben bewaffneten streckt man mit fünf Schüssen aus einer automatischen Waffe nieder und hat alles richtig gemacht. Schrieb ich gerade, mir würde mulmig? Jetzt ist mit schlecht.
Fazit: Ich bin gespannt, wann im Polizeistaat Bayern die ersten Antiterrorcomputergesetze erlassen werden und auf öffentlichen Plätzen Computerspiele verbrannt werden… Ob man vor die Scheiterhaufen dann Stop-Schilder stellt, damit’s im Ausland keine schlechte Presse gibt?
Update: Hier übrigens die Quelle für mein Erstaunen ob der Polizeibewaffnung:
Nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat der junge Mann auch die Polizisten bedroht, nachdem sie ihn nahe einer Toilette gestellt hatten. Die Beamten hätten den Täter gebeten, sich zu ergeben. Als er weiter auf sie zukam, schossen sie mit einer Maschinenpistole auf den Schüler und trafen ihn mit fünf Kugeln. Anschließend nahmen sie ihn fest.
Interessant übrigens, dass br-online nun von einem “Brandanschlag” und nicht mehr von “Amoklauf” spricht.
Update: Der Spruch im Titel (ich find’ ihn toll) stammt übrigens nicht von mir. Die Urheberin tollste Frau von allen bloggt hier.