Nach einer Meldung von Heise hat der Branchenverband bitkom das Institut für Meinungsforschung ARIS beauftragt, etwas über die Bedeutung der Internetpolitik für den Bürger und ihr Vertrauen in die Politiker herauszufinden. Das haben sie getan, ein paar der Ergebnisse fasst Heise zusammen.
Es überrascht mich wenig, wenn 40% der 1.003 Befragten der Ansicht sind, unsere Politiker zeigten einen eklatanten Mangel an Sachkenntnis aus. Hätte man mich gefragt, ich hätte auch Zweifel angemeldet, dass Menschen, die nicht einmal wissen, was ein Browser ist (aber trotzdem Internetpolitikerin des Jahres geschimpft werden), meine Interessen in der digitalen Welt entsprechend vertreten (können). Wenn 44% ihnen im Gegenzug ausreichend Sachkenntnis bescheinigen, hingegen schon. Die TLD, DNS, GAGA, GOGO, TRALAFITTI-Fraktion (der Vollständigkeit halber: Es war Dieter Wiefelspütz, der diesen “Ausdruck” auf Abgeordnetenwatch prägte) und ihr rechtsfreier Raum “Internet” sind meiner Meinung nach ein eher ungleiches Paar.
Interessant ist aber auch, was bitkom da (laut Heise) als “Internetpolitik” ansieht:
Unter “Internetpolitik” versteht der Bitkom verschiedene Politikfelder wie der Datenschutz, der “Schutz des geistigen Eigentums in der digitalen Welt” oder die Bekämpfung der Online-Kriminalität.
Schön, dass die beiden letzten Punkte getrennt und nicht als einer aufgetreten sind.
Wie man aber auf die Idee kommen kann, dass ein Politiker erst einen “Internet-Führerschein” machen möge, bevor er sich zur Internetpolitik äußert, ist mir nicht ganz klar. Immerhin 62% der Befragten hatte das in der Umfrage gefordert. So sehr die Idee auch ihren Charme versprüht – wirklich sinnvoll ist das meiner Ansicht nach nicht. Denn wo kämen wir hin, wenn ein Politiker erst einen Schienenfahrzeugwirtschaft-Führerschein machen müsste, um sich zu den desolaten Verhältnissen der Berliner S-Bahn äußern zu dürfen? Oder einen Landwirtschafts-Führerschein, um sich mit Milchbauern über die Preise ihrer Erzeugnisse unterhalten zu können? Die Liste ist endlos. Und zu ihrem eigentlichen Job kämen Parlamentarier wohl nie.
Ich wäre ja mit der Forderung nach Selbststudium mit von der Partie. Oder meinetwegen freiwillige (!) Schulungen/Seminare/Vorträge in Berlin durch den CCC. Oder auch durch die Piratenpartei, inklusive kleiner Debatte im Anschluss über ÜberwachungVorratsdatenspeicherung, SpionageOnline-Durchsuchung und ZensurZugangserschwerungsgesetz.
Achja, kleiner Hoffnungsschimmer: 70% der Befragten war die Piratenpartei ein Begriff, selbst bei den über 65-jährigen (die ja lange nicht als Zielgruppe der Partei wahrgenommen wurden) noch über zwei Drittel. Das macht doch Mut für die nächsten Wahlen!