Aktionsbündnis: Amok gegen Computerspiele

Ursprünglich war an dieser Stelle eine Nachlese der Kommentare zu meinem gestrigen Artikel (der zu meiner großen Freude wesentlich beachtlichere Resonanz erfahren hat, als ich mir je träumen lassen hätte) geplant. An deren Stelle tritt nun kurzfristig ein zusätzlicher Kommentar in ähnlicher Sache:

Am 18.06. diesen Jahres, also vor etwa drei Wochen war das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden schon einmal im Berlin, im Gepäck keine stümperhaft (sic!) formulierten Apelle, sondern 100.000 Unterschriften für ein Totalverbot von Großkalibrigen Waffen für Sportschützen. Soweit so gut (auch das sehe ich kritisch, kann aber einen gewissen Sachbezug nicht in Abrede stellen und will dem Bündnis eine legitime Forderung nicht generell verbieten), allerdings fanden sich seit Mai letzten Jahres offenbar auch 85.000 Unterstützer für ein Verbot “von Killerspielen”.

Was ich insgesamt davon halte, habe ich bereits hier und hier ausreichend dargelegt. Konkret auf das Aktionsbündnis bleiben mir nur folgende Punkte zu sagen:

Es ist schlicht untragbar, eine politische Debatte auf Stammtischniveau mit polemischen Kampfbegriffen zu führen. Ich wüsste aus dem Kopf nicht zu sagen, wann ich das letzte Mal einen Ego-Shooter gespielt habe und trotzdem fühle ich mich durch den Begriff “Killerspiele” auch als Gelegenheitsspieler persönlich massiv angegriffen. Es ist das eine, (völlig tatsachenunbezogen) Pseudo-Kausalitäten zum einen und generelle Erhöhung des Agressionspotentials durch Computerspiele zum anderen “einfach mal eben” zu postulieren. Es ist etwas völlig anderes, einem Mitmenschen mit derselben Leichtigkeit einen Mord vorzuwerfen, eines der schlimmsten, wenn nicht gar das schlimmste Verbrechen, das unser Strafgesetzbuch kennt.

Ich will dem Aktionsbündnis ihre Meinung zu Computerspielen nicht verbieten. Sie können sie gerne haben. Meinetwegen können sie sie hegen und pflegen zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit äußern, auf Flugblätter und Transparente schreiben, Politiker nachts anrufen und sie ihnen ins Ohr flöten. Diese Leute können ihre Meinung gerne behalten – ich will sie garnicht haben!

Aber persönliche Beleidigungen dieser Kategorie, einen (völlig unbekannten!) Menschen aus nichtigen Gründen perse als Mörder hinzustellen überschreitet die Grenzen von Höflichkeit, Sitte und Moral bei weitem. Ich verbitte mir das.

Zum zweiten und weitaus sachlicher: Ich könnte das Aktionsbündnis weitaus ernster nehmen, wenn sie ihre Apelle, Pressemitteilungen, mithin ihre gesamte “Rhethorik” ein wenig tatsachenorientierter gestalten würden. Formulierungen wie die von “Killerspielen, die dazu dienen, virtuell Menschen zu ermorden” disqualifizieren sich von selbst. Die allein grammatikalische Sinnlosigkeit dieser hohlen Phrase ergibt sich nach nur sehr kurzem Nachdenken: Sie legt nahe, der Sinn und Zweck (”dazu dienen”) von “Killerspielen” (s.o.) sei, Menschen zu ermorden. Computerspiele, entwickelt, um damit Menschen zu töten… Die Vorstellung ein paar auf einer Festplatte gespeicherte elektromagnetische Abbildungen von Information könnten direkt und monokausal einen Menschen ins Jenseits befördern ist absurd, geradezu komisch! Monty Python hätten ihre Freude daran…

Es ist im Übrigen kein Zeichen von Professionalität, unter den Bundestagsfraktionen auch “die PDS” zu nennen. Speziell darauf bezogen kann ich an dieser Stelle ohne Gewissensbisse eine gewisse eingeschränkte Wahrnehmung bescheinigen…

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