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	<title>ceterum-censeo &#187; Philosophisches</title>
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	<description>... ignorantiam esse delendam.</description>
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		<title>Humanitäre Killerspiele gefordert &#8211; Teil II</title>
		<link>http://blog.ceterum-censeo.info/2009/11/22/humanitare-killerspiele-gefordert-teil-ii/</link>
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		<pubDate>Sun, 22 Nov 2009 13:51:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MisterX</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophisches]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich habe für den vorhergehenden Beitrag kurz ixquick bemüht. Dabei bin ich auf das Projekt &#8220;Killerspiele: rechtsfreie Räume?&#8221; von TRIAL und Pro Juventute gestoßen. Schon der Titel machte mir klar: Dafür gibt es einen eigenen Eintrag.
Bevor ich ans Eingemachte gehe: TRIAL steht, neben der engl. Bedeutung &#8220;Gerichtsverhandlung&#8221;, für &#8220;Track Impunity Always&#8221;, also &#8220;Ungestraftheit immer verfolgen&#8221; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe für den vorhergehenden Beitrag kurz <a title="Die META-Suchmaschine ixquick.com" href="https://ixquick.com" target="_blank">ixquick</a> bemüht. Dabei bin ich auf das Projekt &#8220;Killerspiele: rechtsfreie Räume?&#8221; von TRIAL und Pro Juventute gestoßen. Schon der Titel machte mir klar: Dafür gibt es einen eigenen Eintrag.</p>
<p>Bevor ich ans Eingemachte gehe: TRIAL steht, neben der engl. Bedeutung &#8220;Gerichtsverhandlung&#8221;, für &#8220;Track Impunity Always&#8221;, also &#8220;Ungestraftheit immer verfolgen&#8221; und ist die Kurzbezeichnung für die Schweizerische Gesellschaft für Völkerstrafrecht. Der Einstellung nach sind das die Menschen, die dafür sind, Verstöße gegen das Völkerrecht in jedem Falle zu verfolgen und zu ahnden. Also: Befürworter von Strafen. Es verwundert also nicht, wenn sie auch für Spiele auf Kontrollmechanismen setzen.</p>
<p>Aber zur Sache: Am Freitag veröffentlichte TRIAL gemeinsam mit Pro Juventute eine <a title="Medienmitteilung zum Projekt &quot;Kriegsspiele - ein rechtsfreier Raum?&quot;" href="http://www.trial-ch.org/spiele/MM.html" target="_blank">Presseerklärung</a>, in der von einer &#8220;Studie&#8221; die Rede ist, welche das ob und wie der Beachtung des hum. Völkerrechts in Computer-Kriegsspielen zum Thema hatte. Das Ergebnis, so die Presseerklärung, sei so ernüchternd wie die Realität. Ich möchte zustimmen. Krieg ist eine schreckliche Sache. Wenn das Computerspiel solche Schrecken darstellt &#8211; ist das dann nicht schlicht wirklichkeitsnah? Ja ist es und ja, deshalb ist es grausam. Und deshalb liest sich die Forderung, das humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechte in Kriegsspiele einzubauen, eigentlich nicht schlecht. Aber: Menschenrechte (z.B. das Recht auf körperliche Unversehrtheit)? Krieg? Krieg nach Clausewitz ist die Fortführung der Politik mit anderen Mitteln. Ich möchte Krieg an dieser Stelle &#8220;staatlich legitimierten Massenmord&#8221; nennen. Was hat das mit Menschenrechten zu tun?</p>
<p>Bleiben die Völkerrechte. Da ich bei der iuris GmbH nicht viel aussagekräftiges gefunden habe, habe ich mir die <a title="Inhaltsverzeichnis der Genfer Konventionen auf admin.ch" href="http://www.admin.ch/ch/d/sr/0_518_51/index.html" target="_blank">Genfer Konventionen</a> bei den Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft (so der korrekte Titel der Schweiz) einmal angesehen, um die entsprechenden Erinnerungen aufzufrischen.</p>
<p>Ersteinmal: Die Genfer Konventionen gelten nur sehr eingeschränkt für Spione und Saboteure (vgl. <a title="Artikel 5 der Genfer Konventionen auf admin.ch" href="http://www.admin.ch/ch/d/sr/0_518_51/a5.html" target="_blank">hier</a>) und inwieweit sie de jure Anwendung auf &#8220;Söldner&#8221; und &#8220;Freischärler&#8221; finden, sei dahingestellt (meiner Erinnerung nach nämlich ebenso wenig). Wenn also die Sprecherin von Trial fordert, als Reaktion auf die Erschießung eines Zivilisten im Spiel könne ein Rotkreuz-Mitarbeiter den Spieler darüber informieren, dass er gerade gegen Völkerrecht verstoßen habe [und deshalb die Mission nun gescheitert sei], muss ich mich ernsthaft fragen, wie sinnvoll das wirklich ist. Alleine die Vorstellung, dass zwischen zwei irgendwo hochgehenden Granaten, sporadischem Gewehrfeuer vom Rand des Bildschirms und dem Jaulen eines überfliegenden Jagdflugzeugs auf einmal ein Rotkreuz-Mitarbeiter auftaucht und den Spieler auf die gerade erschossene Gestalt und deren Status als Zivilist hinweist, ist lächerlich. Was sollte er denn sagen? &#8220;Herr Leutnant, Sie haben soeben einen Zivilisten getötet. Dieser ist nach Art. 3 der Genfer Konvention geschützt. Dadurch, dass Sie sich somit gem. §8 I Nr. 1 VStGB strafbar gemacht haben, ist ihre Mission gescheitert. Kehren Sie unverzüglich zum Hauptquartier zurück und treten Sie ihre lebenslange Freiheitsstrafe an. Gehen Sie direkt dorthin. Gehen Sie nicht über Los, ziehen Sie keine 4.000€ ein.&#8221;</p>
<p>Aber mal im Ernst: Natürlich geschehen in manchen Kriegsspielen am Computer Kriegsverbrechen am laufenden Band. Da werden nicht nur Zivilisten, sondern auch Verwundete niedergeschossen als gäb&#8217;s kein Morgen (naja, für die sicher nicht). Aber &#8211; Hand auf&#8217;s Herz &#8211; das ist nunmal leider Alltag im KriegBewaffneten Konflikt. Nicht jede Armee obduziert jeden Toten auf der anderen Seite (das Wort &#8220;Gefallener&#8221; benutze ich hier einmal bewusst nicht. Schließlich ist das kein Krieg im Hindukush&#8230;) genauestens, um zu ermitteln, ob nicht vielleicht ein Projektil in den Rücken und nicht in die Brust eindrang. Klar, die Bundeswehr leistet sich sowas, aber die Amerikaner? Die Russen? Die Franzosen? Die Italiener? Die Briten? Ohne diesen Staaten und ihren bewaffneten Armen per se Kriegsverbrechen unterstellen zu wollen (wobei, im Falle der Amerikaner nenne ich nur zwei Stichworte: Guantanamo, Abu Gareibh) &#8211; ich gehe davon aus, dass sie die Fälle, die es sicher gibt (Prinzip &#8220;Schwarzes Schaf&#8221; eben) sicher nicht so lückenlos aufdecken, wie wir.</p>
<p>Das hilft allerdings nicht dabei, dass die Gewaltdarstellung in Kriegsspielen am Computer weit über das hinausgeht, was völkerrechtlich legitimiert ist. Und das ist in der Tat etwas, was man kritisieren kann, darf und meiner Ansicht nach auch sollte. Man sollte sich davor verwahren (und das rechne ich TRIAL und Pro Juventute hoch an), die Spieler zu kriminalisieren. Aber auch das &#8220;Bestrafen&#8221; dieser Umstände halte ich für fragwürdig bis &#8211; bitte um Verzeihung &#8211; bescheuert. Entweder man spielt so ein Spiel, um Agressionen abzubauen (dann allerdings wohl weniger ein taktisches Kriegsspiel) oder, weil man die taktische und strategische Auseinandersetzung auf dem Gefechtsfeld &#8211; warum auch immer &#8211; anziehend findet. Und dann geht es eher darum, die Mission zu erfüllen, also dem Gegner (ob nun Computer oder Mensch) die eigene Überlegenheit zu demonstrieren.</p>
<p>Und hier der Knackpunkt, da, wo TRIAL und Pro Juventute aussteigen: Bestrafen ist nicht das Mittel der Wahl. Nicht bei einem Spiel, das ein Mensch allein gegen Computergegner spielt. Sollte ich in einem Spiel den obigen Dialog lesen/hören, werde ich das Spiel wegwerfen. Und ich bin sicher nicht der einzige, der das so machen würde.<br />
Das Mittel der Wahl ist &#8211; und das Prinzip kennen auch die &#8220;begutachtenden&#8221; Organisationen &#8211; die Belohnung anstatt der Bestrafung. Ein Spiel, das Extrapunkte dafür vergibt, die Genfer Konventionen einzuhalten, macht bei weitem mehr Spaß als eines, das abbricht, weil ein verirrter Granatsplitter einen Verwundeten gestreift hat.</p>
<p>Aber da kommt der Mensch nicht aus seiner Haut. Ich bemerkte es eingangs, TRIAL, das sind die jenigen mit den Strafen für Kriegsverbrecher. Und prinzipiell rennen sie da bei mir offene Türen ein. Der Durchschnitts-Spieler von Command &amp; Conquer, Tom Clancy&#8217;s (Spieltitel), Battlefield oder Codename: Panzers ist nunmal kein Kriegsverbrecher in der Größenordnung eines Milosevic, Ngeze, Hussein oder gar Hitler (und Konsorten). Er ist ein normales, wertvolles Mitglied der Gesellschaft. Und deshalb muss man auch nicht bestrafen, was er &#8220;falsch&#8221; macht (Es ist ein Spiel&#8230; ein Computerspiel&#8230; keine Realität!), sondern fährt wesentlich besser damit, Anreize für richtiges Verhalten zu setzen.</p>
<p>Denn, da hat der schweizerische Oberpirat ein wahres Wort gesprochen: Für Ethik im Spiel ist jeder selbst verantwortlich.</p>
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		<title>Humanitäre Killerspiele gefordert</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Nov 2009 10:07:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MisterX</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophisches]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Meldung ist von Freitag und einen schönen Kommentar habe ich hier schon gelesen. Dennoch fühle ich mich genötigt, mit Centstücken um mich zu werfen:
Menschenrechte sollen auch in Killergames gelten titelt &#8220;20 Minuten Online&#8221;, ein schweizer News-Portal mit mir unbekannter politischer Ausrichtung. Kern der Aussage ist, dass die Gesellschaften &#8220;Pro Juventute&#8221; (&#8221;Für die Jugend&#8221;?) und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Meldung ist von Freitag und einen schönen Kommentar habe ich <a title="&quot;Menschenrechte sollen auch in Killergames gelten&quot; auf blog.christian-hufgard.de" href="http://blog.christian-hufgard.de/menschenrechte_sollen_auch_killergames_gelten-2009-11-20" target="_blank">hier</a> schon gelesen. Dennoch fühle ich mich genötigt, mit Centstücken um mich zu werfen:</p>
<p><a title="&quot;Menschenrechte sollen auch in Killergames gelten&quot; auf 20min.ch" href="http://www.20min.ch/news/schweiz/story/Menschenrechte-sollen-auch-in-Killergames-gelten-10117141" target="_blank">Menschenrechte sollen auch in Killergames gelten</a> titelt &#8220;20 Minuten Online&#8221;, ein schweizer News-Portal mit mir unbekannter politischer Ausrichtung. Kern der Aussage ist, dass die Gesellschaften &#8220;Pro Juventute&#8221; (&#8221;Für die Jugend&#8221;?) und die &#8220;Schweizerische Gesellschaft für Völkerstrafrecht (Trial)&#8221; fordern, in <span style="text-decoration: line-through;">Killer</span>Kriegsspielen möge das humanitäre Völkerrecht geachtet werden. Im Klartext: Keine Folterszenen, keine Tötungen Unbewaffneter oder Unbeteiligter. Soweit der auf den ersten Blick sinnvolle Teil des Anliegens.</p>
<p>Auf den ersten Blick? Sinnvoll? Ja.<br />
Gewalt ist verabscheuenswürdig und die Welt wäre schöner, käme sie ohne aus. Aber anstatt Gewaltspiele (über deren Daseinsberechtigung ich an dieser Stelle nicht debattieren will) verbieten zu wollen, kommen die genannten Organisationen auf die Idee, sie m.A.n. pädagogisch wertvoll zu entschärfen. Kein Verbotswahn, keine Spieleverbrennungen wie zuletzt durch das unselige &#8220;Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden&#8221;, kein Geifern in Richtung Amokläufe und Terrorismus. Im Gegenteil: Man will die Spiele so verändern (lassen), dass wenigstens die elementarsten Grundsätze der &#8220;humanen Kriegsführung&#8221; gewahrt bleiben. Ich bin geneigt, das als Meilenstein im Verständnis um Computerspiele anzusehen.</p>
<p>Sinnvoll ist diese Veränderung trotzdem nicht. Denis Simonet, Präsident der Piratenpartei in der Schweiz kommentierte: &#8220;Das wäre Zensur. Ethik im Spiel ist ein individueller Entscheid.&#8221; Da ich die Einschränkung zunächst für sinnvoll hielt, habe ich den ersten Satz kurzerhand als (hinreichend platte) Parole entlarvt. Der zweite Satz hat mich da schon nachdenklich gemacht. Und ich muss sagen: Recht hat er.</p>
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		<title>Solange wir nur hassen können&#8230;</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Aug 2009 14:41:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MisterX</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophisches]]></category>

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		<description><![CDATA[Hass ist eine mächtige Emotion. Und ich würde sie als eine der Triebfedern menschlichen Aktionismus bezeichnen. Wahlen werden nicht gewonnen, weil man für den Gewinner ist. Wahlen werden gewonnen, weil man gegen den Verlierer ist. Etwas Positives wird allzu oft nur mit einem anerkennenden Nicken zur Kenntnis genommen.
Doch das, was uns missfällt, bringt uns auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hass ist eine mächtige Emotion. Und ich würde sie als eine der Triebfedern menschlichen Aktionismus bezeichnen. Wahlen werden nicht gewonnen, weil man <em>für</em> den Gewinner ist. Wahlen werden gewonnen, weil man <em>gegen</em> den Verlierer ist. Etwas Positives wird allzu oft nur mit einem anerkennenden Nicken zur Kenntnis genommen.</p>
<p>Doch das, was uns missfällt, bringt uns auf die Barrikaden.</p>
<p>Ich selbst stelle fest, dass ich am besten schreibe, wenn mich etwas aufregt, wütend macht. Ich arbeite am besten, wenn ich irgendwem beweisen will, dass ich es besser kann als er. Ich argumentiere am besten, wenn ich irgendwen in Grund und Boden reden will. Ich räume am besten auf, wenn mich das Chaos auf meinem Schreibtisch wirklich nervt. &#8220;Kreative Unzufriedenheit&#8221; nennt man das, wenn daraus eine bahnbrechende Erfindung entspringt. Oder sonst irgendetwas nützliches. Hass, wenn es sich verstärkt und destruktiv wird. Bleibt. Immer präsent ist.</p>
<p>Hass ist eine mächtige Emotion.</p>
<p>Und ich unterstelle, dass wir alle sie verspüren. Der eine, wenn wieder irgendein Dummkopf mehr Überwachungskameras oder Stoppschilder im Internet fordert. Der andere, wenn er physisch oder mental verprügelt wird. Letztlich sind die Beispiele so weit garnicht entfernt. Nur, wer beginnt mit dem Hass? Und wie beendet man die Spirale, die sich dadurch in Gang gesetzt hat?</p>
<p>Hätte irgendjemand wirklich eine Antwort darauf, er würde ein reicher Mann werden. Und, weil wir Menschen ein so ironisches Volk sind, sehr schnell auch ein toter. Ganz nach dem Vorbild eines Jesus Christus, Martin Luther King, Mahatma Ghandi. Er wird, um es mit Douglas Adams Worten zu sagen, &#8220;an einen Baum genagelt, weil er sich gedacht hat, wei toll es doch wäre, wenn sich alle Menschen zur Abwechslung mal lieb haben&#8221;. So sind wir Menschen. Wir hassen unseren Hass, aber lieben müssen wir ihn deswegen trotzdem. Verrücktes Volk.</p>
<p>Verrückt ist es auch, wenn Ideen und Ideologien, die sich der Liebe verschrieben haben, hassen &#8220;wie die Weltmeister&#8221;. Und ich muss erst garnicht bis in den nahen oder fernen Osten gehen und grüne Flaggen mit Halbmonden hervorziehen, um mein kleines Feindbild des Tages präsentieren zu können. Nein, gerade reicht es, vor die Tür zu gehen. Oder aus dem Fenster zu schauen. Denn wenn da nicht ein oder zwei Bäume im Weg wären, könnte ich den örtlichen Kirchturm von meinem Schreibtisch aus sehen. Hören kann ich ihn in jedem Falle.</p>
<p>Es gibt Tage, da schäme ich mich, dass ich das Gebäude, zu dem dieser wirklich schön anzusehende Turm mit großer Uhr und noch größerer Glocke innenliegend gehört, regelmäßig aufsuche und mich dabei &#8220;Christ&#8221; nenne. Ich schäme mich, dass ich der Botschaft der Kirche, der Botschaft Jesu Christi nicht entziehen kann. Ich schäme mich, dass ich immer wieder predige, dass man die Texte der Bibel nicht eins zu eins in die heutige Zeit ziehen darf und dass solche Texte verdammt nochmal interpretiert gehören. Es gibt Tage, da schäme ich mich, dass ich das Christentum im Großen und Ganzen für eine wirklich sehr gute Idee halte. Dass ich meine Vorstellungen von Ethik und Moral &#8220;christlich&#8221; nenne. Und dass ich dem Gesetzeswerk, an das ich mich tagtäglich halte, noch zehn weitere einfache Sätze hinzufüge, weil ich finde, dass sie das Miteinander der Menschen nur bereichern können.</p>
<p>Ein solcher Tag ist heute. Wieder einmal. Hass ist eine zu mächtige Emotion. Sie nimmt überall hin Einzug. Auch in die Botschaft der Liebe, der Akzeptanz, der Toleranz. Es gibt Menschen, die sich Katholiken, Christen nennen. Und nichts als Hass und Zerstörung predigen. Die vorgeben, an das zu glauben, an das ich glaube. Und doch mit jedem Wort das sie sprechen, meine Überzeugungen und mich in den Schmutz ziehen. Was sind das für Menschen, frage ich mich, die einen solchen Hass hegen auf andere, dass sie Gift und Galle spucken, sie diffamieren, wo es nur geht, und all das unter der Lüge, ihnen nur helfen zu wollen? Was sind das für Menschen, frage ich mich, die einen solchen Hass hegen und daran nicht selbst zu Grunde gehen, sondern andere daran zu Grunde gehen lassen?</p>
<p>Ich gebe zu, ich habe es provoziert: Ich hätte die Gnade der Unwissenheit zu schätzen wissen sollen. Und sie vor allem nicht leichtfertig verspielen sollen. Hätte, hätte, hätte&#8230;</p>
<p>Hab&#8217; ich aber nicht. Ich gebe zu, ich wollte ein wenig belächeln, wollte ein wenig hassen, wollte mich ein wenig besser fühlen, als diejenigen, über die ich herzuziehen gedachte. Wollte ihre jämmerlichen Phrasen zerpflücken und ihre Dummheit in jedem Buchstaben nachweisen. Ein wenig mehr als nur ein wenig vermessen. Letztlich hat es sich lediglich gerächt.</p>
<p>Hass ist eine mächtige Emotion. So mächtig, dass es mir unter anderem die Sprache verschlagen hat, als ich gelesen habe, was die selbsternannten Sittenwächter der falschen Christenheit <a title="&quot;Wer will Seuchenblut von Homos&quot; auf kreuz.net" href="http://www.kreuz.net/article.9646.html" target="_blank">auf kreuz.net über Homo- und Bisexuelle <span style="text-decoration: line-through;">sagen</span> schreiben</a>. Erbärmlich. Gemein. Hinterhältig. Missgünstig. Hasszerfressen.</p>
<p>Das, was ich vorhin durchgemacht habe, ist ein klarer Fall von &#8220;Fremdschämen&#8221;, denn der Dreck von Gedankenschlecht (&#8221;gut&#8221; will ich das trotz anderer Bedeutung des Wortes einfach nicht nennen), der da ins Internet erbrochen wurde, ist sicher nicht meiner. Trotzdem setzen sich solche Menschen in Beziehung zu mir, weil sie vorgeben, mit mir die Religion zu teilen. Und ich kann nichts dagegen tun &#8211; gegen Dummheit ist eben kein Kraut gewachsen.</p>
<p>Und deswegen werden sie weiter schreiben, diffamieren, lügen, hassen. Unwahrheiten in die Welt setzen, wie so mancher Potentat in der Historie uneheliche Kinder. Sie werden so aktiv bleiben, wie sie sind. Wie jeder Mensch in seinem kleinen Themengebiet so aktiv bleiben wird, wie er ist. Weil er einen Feind hat, gegen den er aktiv ist. Oder auch nur ein Feindbild, dass er zwar nicht kennt, aber dennoch aus tiefster Seele hasst.</p>
<p>Und die Welt wird sich &#8211; trotzdem? gerade deswegen? &#8211; weiterdrehen.</p>
<p>Solange wir nur hassen können.</p>
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		<title>Freiwillig &#8211; oder: Warum Ethik nicht gleich Politik ist</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Jul 2009 18:12:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>MisterX</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophisches]]></category>
		<category><![CDATA[Politisches]]></category>

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		<description><![CDATA[In der gestrigen Nacht durfte ich eine sehr interessante Debatte führen. Meine Diskussionspartnerin hatte mich nach meiner Position zum Thema &#8220;Wehrpflicht&#8221; (in Bezug auf Abschaffung oder nach welcher Form ich eine Erhaltung befürworten könnte). Ich stellte kurz dar, warum ich die Wehrpflicht in der heutigen Form für unsinnig, mit einigen (zugegeben sehr weitreichenden Veränderungen) aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der gestrigen Nacht durfte ich eine sehr interessante Debatte führen. Meine <a title="CoreDump (Yuris Blog)" href="http://mindplug.org/blog/" target="_blank">Diskussionspartnerin</a> hatte mich nach meiner Position zum Thema &#8220;Wehrpflicht&#8221; (in Bezug auf Abschaffung oder nach welcher Form ich eine Erhaltung befürworten könnte). Ich stellte kurz dar, warum ich die Wehrpflicht in der heutigen Form für unsinnig, mit einigen (zugegeben sehr weitreichenden Veränderungen) aber grundsätzlich für sinnvoll halte. Sie hingegen argumentierte, bei allem Nutzen, den eine Wehr- oder (wie von mir befürwortet) Zivildienstpflicht auch brächte, im Endeffekt sei es dennoch erzwungen und schränkte so die Freiheit des Individuums in einem ethisch nicht akzeptablen Maße ein &#8211; ein Zwangsdienst eben. Im Folgenden unternahm ich Versuche, diesen (zweifelsohne existierenden) Zwang einer Dienstpflicht ethisch zu rechtfertigen. Kurzum: Es gelang mir nicht.</p>
<p>Allerdings hat mich das Thema nicht losgelassen und so habe ich mir noch ein paar Gedanken um mögliche Ansätze zur Lösung des Problems zu finden.</p>
<ol>
<li><strong>Der Aspekt der &#8220;Freiwilligkeit&#8221;</strong><br />
Die Bundeswehr argumentiert, jeder Grundwehrdienstleistende sei freiwillig Soldat geworden, denn es hätte ihm die Möglichkeit offengestanden, den Kriegsdienst zu verweigern und stattdessen Zivil- oder Ersatzdienst zu leisten. Auch das kam gestern zur Sprache. Und ich musste mir anhören, es gäbe nur &#8220;wirklich freiwillig&#8221; oder &#8220;gezwungen&#8221; &#8211; und zwar in jeder Hinsicht, nicht nur mit Blick auf die Bundeswehr. Ich denke, da werden einige Graustufen ignoriert. Ich sehe einen Unterschied zwischen <strong>Zwang</strong>, den ich als Fehlen der Möglichkeit sehe, eine Entscheidung entgegen einer Vorgabe von außen zu treffen und <strong>bewusster Entsprechung dieser Wünsche aufgrund von Druck</strong>. Im letzteren sehe ich durchaus den freien Willen als Basis der &#8220;Freiwilligkeit&#8221; gegeben, sich gegen die von außen vorgegebene Norm zu entscheiden (auch, wenn es ein schwerer Weg ist), während ersteres keine, aber auch wirklich keine andere Möglichkeit bietet, als wie vorgegeben zu handeln. Das mag als Grundlage genügen, zu verstehen, warum freiwillige Entscheidungen trotz eines gewissen Drucks, der auf dem Entscheidungsträger lasten möge, grundsätzlich den freien Willen beinhalten können. Eine Wehr- bzw. Dienstpflicht ordne ich allerdings auch ich in den Bereich des &#8220;Zwangs&#8221; und nicht der &#8220;bewussten (freiwilligen) Entsprechung der Wünsche anderer&#8221; ein, zumal die generelle Definition von Freiwilligkeit im Gegensatz zum Zwang und einer Zwischenstufe nichts mit der ethischen Rechtfertigung von Zwang zu tun hat.</li>
<li><strong>Darf das freie Individuum, der mündige Bürger zu etwas gezwungen werden, das er vollständig ablehnt?</strong><br />
Ich könnte jetzt sagen: &#8220;Er wird.&#8221; und auf geltendes Recht verweisen. Doch warum wird er? Im Grunde ist die obige Frage die Frage nach der Rechtfertigung von Gesetzen. Jedes Gesetz stellt einen Zwang dar, ein Negativum. Und jede Erlaubnis in einem Gesetz ist nur deshalb gesetzmäßig festgehalten, damit garantiert (oder auch: erzwungen) werden kann, dass sie auch jedem erlaubt wird. Und genau an diesem Punkt haben Yuri und ich begonnen, aneinander vorbei zu reden. Sie blieb auf dem rein ethischen Standpunkt und beharrte darauf, ein Zwang (wobei es hier explizit <span style="text-decoration: underline;">nur</span> um eine Dienstpflicht ging und nicht um Gesetze allgemein) sei nicht vertretbar, da er die Freiheit des Individuums einschränkte. Prinzipiell muss ich ihr zustimmen. Und prinzipiell kann ich eine Gesellschaft, die aufgrund des Primats von Moral und Ethik (wobei auch hier streng genommen <em>Gesetze</em> herrschen&#8230;) ohne gesetzlichen Zwang auskommt, nur befürworten. Allerdings findet man das nur im Kommunismus oder in Star Trek und Literatur zu beidem gibt es nicht in Reisebuchhandlungen. In der politischen und gesellschaftlichen Realität müssen wir daher nicht den Zwang ansich rechtfertigen, sondern die Anwendung des Zwangs im einzelnen Fall.</li>
<li><strong>&#8220;Aber dafür zahlt man doch schon Steuern!&#8221;</strong><br />
Ich argumentierte (unter anderem) mit dem gesellschaftlichen Nutzen, den ich in einer Dienstpflicht sehe: So führte ich an, dass die Betreuung alter und kranker Menschen unter Zurhilfenahme von Zivildienstleistenden entschieden verbessert werden könnte und dass Zivil- oder Wehrdienst ein Dienst sei, den man leisten könne, um dem Staat &#8220;etwas zurück zu geben, was er für einen selbst&#8221; geleistet hat. Dem Argument der Steuern konnte ich zunächst nichts entgegen setzen. Das Argument &#8220;Wer im Alter keine Familie hat, die sich um einen kümmert, hat einfach Pech gehabt.&#8221; (oder sagte sie &#8220;ist selbst Schuld?&#8221; Ich weiß es offen gestanden nicht mehr) hingegen ist schlicht menschenverachtend. Es gibt zweifelsohne Menschen, die ohne eigenes Zutun dement wurden (wer macht das schon freiwillig) und die tatsächlich keine Familie haben. Ich halte es für ethisch nicht tragbar, diese lediglich mit den elementarsten Bedürfnissen zu versorgen (Nahrung, Kleidung, Unterkunft). Und tatsächlich gibt es auch Steuergelder, die dafür verwandt werden, die Lebensqualität eben dieser Mitbürger zu erhalten oder zu heben. Insofern, so könnte man meinen, ist man &#8220;quitt&#8221; mit dem Staat. Allerdings sind die Leistungen, die man als Dienstpflichtiger erbringt, auch Leistungen, die zusätzlich zu den Steuergeldern zum Individuum selbst zurückkehren (lässt man die Verwaltungskosten außer Acht, die es bei Steuern ja auch gibt). Die Sicherheit, die ein Wehrpflichtiger für die Allgemeinheit produziert, wird vorher und nachher von einem anderen Individuum für den nun Wehrpflichtigen als Teil der Allgemeinheit produziert. Und die Pflege, die ein Zivildienstleistender einem Patienten zukommen lässt, kommt ihm selbst zu, wenn er in einer ähnlichen Situation ist.</li>
<li><strong>Kant &#8211; oder warum ich immernoch hilflos bin</strong><br />
Schließlich habe ich mich gefragt, ob ich eine Dienstpflicht nach Kants kategorischem Imperativ ethisch rechtfertigen kann. Ich bin zu dem Schluss gekommen: Ich kann. Allerdings ist dieser Ansatz ein sehr persönlicher und keinesfalls allgemeingültig, höchstens konsensfähig. Insofern: Ich kann immernoch keine allgemeingültige und unumstößliche Rechtfertigung anbieten. Lediglich ein paar Ansätze zum selberdenken.</li>
</ol>
<p>Schlussendlich hat meiner Meinung nach kein einziges Gesetz auf der Welt (mit Ausnahme wohl der Menschenrechte) einen reinweißen Hut. Kaum ein Gesetz kann einen Anspruch auf das Prädikat &#8220;gut&#8221; in ehtischer Hinsicht erheben. Politik hingegen, lebt davon, dass Entscheidungen getroffen werden, die sich diesem Ideal so weit wie möglich annähern.</p>
<p>Soll heißen: Politik kann man ganz unethisch darauf reduzieren, dass der Zweck die Mittel in der Tat heiligt.</p>
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